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Warum alle wirklich erfolgreichen Menschen diese eine Charaktereigenschaft teilen

Menschen diskutieren vor einem Whiteboard mit bunten Haftnotizen, die einen Projektplan darstellen.

Hinter allem wirkt eine subtile Gewohnheit, die prägt, wie Menschen zusammenarbeiten.

In stressgeladenen Büros und fragilen Teams sticht heute eine bestimmte Art der Zusammenarbeit heraus. Sie schützt Menschen vor toxischen Kolleg:innen, baut schnell Vertrauen auf und trennt mit der Zeit leise diejenigen, die aufsteigen, von denen, die stehen bleiben.

Die unterschätzte Eigenschaft hinter dauerhaftem Erfolg

Unternehmenslegenden schreiben ihren Aufstieg oft Talent, Strategie oder unermüdlichem Einsatz zu. In Firmen loben Führungskräfte Agilität, Resilienz oder die Fähigkeit, „unter Druck zu arbeiten“. Doch Forschende, die lange Karrieren verfolgen, stoßen immer wieder auf ein anderes Muster: Am weitesten kommen oft diejenigen, die radikal ehrlich darin sind, wie sie mit anderen zusammenarbeiten.

Nicht ehrlich in einem vagen, moralischen Sinn, sondern ganz praktisch: Sie machen ihren Beitrag klar, heben die Arbeit anderer hervor und weigern sich, Anerkennung zu nehmen, die ihnen nicht zusteht. Diese Mischung aus Integrität und Transparenz steht im Zentrum dessen, was die Harvard-Business-School-Professorin Heidi K. Gardner „Smart Collaboration“ nennt.

Smart Collaboration hat weniger damit zu tun, nett zu sein, sondern vielmehr damit, glasklar zu machen, wer was getan hat, damit Vertrauen wachsen kann.

Warren Buffett sagte einmal, dass man beim Einstellen auf Integrität, Intelligenz und Energie achten solle – und dass das Fehlen der ersten die anderen beiden zur Gefahr mache. Gardners Arbeit zeigt, wie sich das im Büroalltag ausspielt. Brillante, energiegeladene Menschen, die bei Anerkennung und Ehrlichkeit Abkürzungen nehmen, können genau die Teams vergiften, die sie eigentlich tragen sollten.

Vom Teamwork-Klischee zum messbaren Vorteil

Jedes Unternehmen behauptet, Teamwork zu schätzen. Smart Collaboration geht weiter und macht Zusammenarbeit zu einer disziplinierten Praxis. Teams, die darauf aufbauen, neigen dazu:

  • Informationen offen zu teilen, statt sie zu horten,
  • Ideen korrekt zuzuordnen, selbst unter Druck,
  • Probleme früh anzusprechen, statt sie zu verbergen,
  • Sichtbarkeit zu rotieren, sodass nicht immer dieselben Stimmen dominieren.

Gardners Forschung mit Professional-Services-Firmen, Tech-Unternehmen und Kanzleien zeigt ein klares Muster: Menschen, die so zusammenarbeiten, gewinnen komplexere Aufträge, halten Kund:innen länger und haben weniger interne Machtkämpfe. Ihre Karrieren wirken an einzelnen Tagen weniger spektakulär, sind über ein Jahrzehnt hinweg jedoch deutlich robuster.

Die Eigenschaft, die in den Geschichten von Top-Performer:innen immer wieder auftaucht, ist nicht Charisma oder Genialität, sondern ein sichtbares Bekenntnis, Erfolg zu teilen statt ihn zu monopolisieren.

Warum toxisches „Credit-Grabbing“ Karrieren leise verbrennt

Moderne Arbeitsplätze belohnen noch immer diejenigen, die am lautesten über ihre Erfolge sprechen. Das schafft einen Nährboden für eine sehr vertraute Figur: die Kollegin oder den Kollegen, der die Vergangenheit subtil so umschreibt, dass jede gute Idee wie die eigene wirkt. Gardner nennt sie „Reputation Hijackers“ – kompetent genug, um nützlich zu bleiben, aber ständig dabei, die eigene Rolle aufzublasen.

Kurzfristig kommen sie manchmal voran. Ihre Führungskräfte hören nur eine Version der Ereignisse. Der Lebenslauf füllt sich mit beeindruckenden Zeilen. Doch Teams, die mit ihnen arbeiten, beschreiben eine andere Realität: ausgelaugte Energie, geringes Vertrauen und eine schleichende Unlust, überhaupt noch etwas Neues zu teilen.

Verhalten Kurzfristiger Effekt Langfristiger Effekt
Sich mit den Ideen anderer schmücken Lässt eine Person stark wirken Untergräbt Vertrauen, Ideen versiegen
Anerkennung offen teilen Der Fokus verteilt sich im Team Mehr Wortmeldungen, höhere Qualität
Fehler verbergen Vermeidet sofortige Schuldzuweisung Probleme wachsen, Ruf leidet
Probleme früh ansprechen Fühlt sich im Moment unangenehm an Baut ein Profil von Verlässlichkeit auf

Psychische Gesundheitsforschung verbindet solche Umfelder inzwischen mit höheren Burnout-Raten. Menschen verbringen mehr Zeit damit, sich abzusichern, als sinnvolle Arbeit zu leisten. Smart Collaborators gehen dieses Risiko anders an: Sie dokumentieren Beiträge, nennen Namen, wenn sie Erfolge teilen, und schaffen eine schriftliche Spur, die ihre Version der Realität stützt.

Die Vier-Schritte-Methode: So funktioniert Smart Collaboration in der Praxis

Gardners Modell zerfällt in vier einfache Verhaltensweisen, die fast jede:r übernehmen kann – selbst in einem kompetitiven Büro.

Radikale Transparenz über Beiträge

Wenn du ein Projekt präsentierst, sagst du klar und früh, wer was gemacht hat. Das klingt klein, verändert aber, wie Teams über Erfolg denken. Eine Produktmanagerin könnte sagen: „Der Kunden-Insight kam von Maya; Sam hat das Integrationsproblem gelöst; ich habe die Teile zusammengeführt.“

Beitragende namentlich zu nennen, macht aus vagen „Teamleistung“-Slogans konkrete Anerkennung, die Menschen spüren können.

Diese Gewohnheit wirkt auch als stiller Schutzschild gegen Kolleg:innen, die gern Anerkennung an sich ziehen. Wenn sich im Protokoll ein Muster zeigt, dass du Namen nennst, wird es für andere schwieriger, die Geschichte später umzuschreiben.

Lob teilen statt es zu horten

Viele Mitarbeitende erstarren, wenn eine Führungskraft ihnen gratuliert. Sie nicken, sagen „Danke“ und gehen weiter – aus Sorge, dass Umleiten von Lob schwach wirkt. Smart Collaborators machen etwas Mutigeres. Sie nehmen das Kompliment an und erweitern es:

„Danke – das Analytics-Team hat das Muster erkannt, und ohne ihr Modell hätten wir es übersehen.“

Dieser kurze Satz leistet drei Dinge zugleich: Er signalisiert Fairness, stärkt Beziehungen zu Kolleg:innen und zeigt Führungskräften, dass du verstehst, wie Wert wirklich entsteht – jenseits deines eigenen Schreibtischs.

Durchdachte, gezielte Anerkennung

Gardner betont das Timing. Ein hastiges „Danke Team“ in einer überfüllten E-Mail bewirkt weniger als eine präzise Nachricht im richtigen Moment. Menschen, die langfristig erfolgreich sind, bauen kleine Rituale auf:

  • einer Kollegin nach einem schwierigen Meeting eine direkte Nachricht schicken,
  • eine:n Junior-Mitwirkende:n im Wochenupdate namentlich erwähnen,
  • eine Führungskraft bitten, eine bestimmte Person in ein Debrief einzubeziehen.

Diese Gesten kosten Minuten. Über ein Jahr entsteht daraus ein sichtbares Muster: Diese Person sieht andere – und sagt es öffentlich. Recruiter:innen und Beförderungsgremien merken sich das oft.

Ein Klima schaffen, in dem Zusammenarbeit sicher wirkt

Persönliches Verhalten trägt nur bis zu einem gewissen Punkt. Smart Collaborators formen auch den Raum um sich herum. Sie laden zu Fragen ein, geben Anerkennung für das Ändern einer Meinung und machen es normal zu sagen: „Ich weiß es noch nicht.“

Ein kollaboratives Klima ist kein Slogan an der Wand. Es zeigt sich darin, wer sprechen darf, wer Rückendeckung bekommt und wer still übergangen wird.

Führungskräfte, die das praktizieren, berichten von weniger verdeckten Konflikten und reibungsloseren Übergaben. Teammitglieder sagen, sie könnten eher früh einen fehlerhaften Plan hinterfragen, statt zu warten, bis er öffentlich scheitert.

Warum diese eine Eigenschaft Glück genauso stark beeinflusst wie Leistung

Smart Collaboration ist nicht nur eine Karrierestrategie; sie prägt auch das tägliche Wohlbefinden bei der Arbeit. Menschen, die sich mit transparenter Integrität verhalten, schlafen vor Performance-Reviews oft besser. Sie wissen, was sie getan haben, wen sie genannt haben und wo sie Kolleg:innen unterstützt haben.

Psycholog:innen verweisen auf drei Treiber von Arbeitszufriedenheit: Autonomie, Kompetenzentwicklung und Zugehörigkeit. Diese Arbeitsweise stärkt alle drei.

  • Autonomie: Teams, die sich vertrauen, teilen Informationen frei – so können Menschen handeln, ohne ständige Kontrolle.
  • Kompetenzentwicklung: Klare Zuordnung von Anerkennung und Feedback macht sichtbar, wer welchen Teil beigetragen hat; Fähigkeiten werden erkennbar und können wachsen.
  • Zugehörigkeit: Regelmäßige, spezifische Anerkennung signalisiert, dass Menschen gesehen werden – nicht nur ihr Output.

Wo hingegen Credit-Grabbing und Geheimniskrämerei dominieren, werden diese Treiber schwächer. Talentierte Mitarbeitende gehen oder schalten innerlich ab. Die Zurückbleibenden fühlen sich austauschbar und vorsichtig, selbst wenn das Unternehmen Benefits oder Gehaltserhöhungen bietet.

So wendest du Smart Collaboration an – ab nächster Woche

Für Menschen, die in wettbewerbsintensiven Umfeldern feststecken, klingt das vielleicht idealistisch. Doch kleine, konkrete Schritte verschieben die Dynamik, ohne auf eine komplette Kulturreform zu warten. Ein einfacher Startplan könnte so aussehen:

  • Bei deiner nächsten Präsentation eine Folie ergänzen, die Beitragende namentlich und mit konkreter Rolle nennt.
  • Wenn du Lob bekommst, in deiner Antwort mindestens einen Namen einer Kollegin oder eines Kollegen nennen.
  • Ein kurzes Logbuch zu gemeinsamen Projekten führen: Wer hat welche Idee eingebracht, wer hat welche Aufgabe umgesetzt?
  • In Meetings eine ruhigere Person aktiv bitten, ihre Sicht zu teilen, bevor Entscheidungen geschlossen werden.

Diese Handlungen senden ein klares Signal, was für eine Art Kolleg:in du bist. Über Monate liefern sie außerdem stille Evidenz, falls es zu Konflikten über Ownership oder Leistung kommt.

Was das für Hiring Manager und Führungskräfte bedeutet

Für Organisationen ist die Botschaft deutlich: Nur nach technischer Exzellenz oder rohem Ehrgeiz einzustellen, ist riskant. Führungskräfte, die widerstandsfähige Teams wollen, screenen inzwischen gezielter nach dieser Eigenschaft: transparente, anerkennungsteilende Integrität.

Fragen, die sie sichtbar machen, können simpel sein:

  • „Erzähl mir von einem Projekt, bei dem deine Idee gescheitert ist, das Team aber trotzdem erfolgreich war.“
  • „Wann hast du zuletzt jemand anderen für eine Chance nach vorn geschoben, die du selbst hättest nehmen können?“
  • „Beschreibe eine Situation, in der eine Kollegin oder ein Kollege deine Arbeit genutzt hat. Wie bist du damit umgegangen?“

Antworten zeigen oft, ob jemand Erfolg als kollektiven Prozess oder als Solo-Rennen versteht. Über die Zeit bewirkt der Aufbau von Teams aus Menschen, die sich für die erste Option entscheiden, mehr als nur Ruhe. Er schafft eine Arbeitskultur, in der hohe Leistung und psychologische Sicherheit nebeneinander bestehen können.

Für Einzelne bietet dieselbe Perspektive eine Art persönliches Audit. Beim Blick auf die letzten Monate lassen sich drei Fragen kartieren: Wo habe ich Anerkennung geteilt? Wo habe ich eine kleine Ungerechtigkeit durchgehen lassen? Wo habe ich aktiv den Beitrag einer Kollegin oder eines Kollegen geschützt? Ehrliche Antworten geben ein praktisches Gefühl dafür, wie stark diese Eigenschaft im Alltag sichtbar ist – und wie viel Spielraum bleibt, sie zu stärken, bevor die nächste Beförderungsrunde oder der nächste Karriereschritt ansteht.

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